Der Regenbogenkrieger und der Schmetterling

(Diese Geschichte findest Du auch als Audio-Datei am Ende des Textes)

Und so war der Regenbogen-Krieger, der ein besonderer Pionier war, nun schon eine unendliche Weile auf der Reise seit er seinem Ruf gefolgt war. Diesem Ruf in neue Räume, der ihn aus seinem Innersten berührt und in Bewegung versetzt hatte und seine Essenz unaufhaltsam sich entfalten ließ…

Er hatte sich auf-gemacht, hatte seine Wurzeln tief mit der fruchtbaren Erde verbunden und so sich selbst als fruchbare Erde erkannt. Er hatte seine weit verzweigten Äste hoch hinaus in den Himmel gestreckt und so sich selbst als Teil des Ganzen erkannt. Offener präsenter Raum für die Lebendigkeit der Welten…

Er hatte sich als Flussbett für den Strom des Lebens und als Fluss selbst erfahren und war mit ihm zum kosmischen See aller Möglichkeiten geflossen, tauchte tief hinein in seine Klarheit und erhob sich in neue ungeahnte Perspektiven…

Und er öffnete sich immer weiter für das, was bereits da und doch noch nicht sichtbar war.

Erzähl mir vom Unvorstellbaren…

“Stell Dir vor, das Unvorstellbare existiert schon… schon immer… und wir sind einfach da und schenken ihm unsere Präsenz, auf dass es darin seine neue Form einnimmt.” Hörte er eine Stimme aus dem von Tau benetzten Gras am Fluss. Er blickte sich um und entdeckte eine kleine Raupe, die sich zum ihm aufrichtete. Ihr bunt behaarter Körper glitzerte in der Sonne und sie bewegte sich ein Stück weiter auf ihn zu.

“Erzähl mir von diesem Unvorstellbaren.” bat der Regenbogenkrieger die Raupe.

“Das kann ich nicht, denn ich weiß ja selbst nichts davon. Alles, was ich weiß, ist, dass es bereits da ist und dass es sich im Erleben gestaltet.” antwortete sie einladend, bevor sie sich schweigend dem Verzehr eines saftigen Blattes zuwandte.

Der Regenbogen-Krieger nahm die Einladung an und begleitete die Raupe. Er erlebte, wie sie immense Mengen Grün verspeiste und allmählich immer schwerer und somit auch ruhiger wurde. Eine wunderliche Ruhe ging in diesen Zeiten von ihr aus und als die Raupe begann, sich zu verpuppen, schien es dem Regenbogen-Krieger beinahe, als nähmen sie unwiederbringlich Abschied voneinander.

In einer Mischung aus Melancholie, Abschiedsschmerz, Ungewissheit und gleichermaßen Liebe, Vertrauen, Freude und Ehrerbietung und Dankbarkeit für die Kraft des Lebens verweilte er mit dem Kokon am Fluss des Lebens.

Veränderung, Übergang, Wandlung

Und obgleich er nicht sehen konnte, was in dem verpuppten Wesen vor sich ging, fühlte er es doch auch mit und erlebte es auf seine ureigene Weise: im Inneren schien sich das, was war, zu transformieren und Neues zu bilden. So neu, dass es als nicht dazugehörig wahrgenommen und bekämpft wurde. Weitere Veränderung, Übergang, Wandlung… in einem natürlichen Prozess schien Altes zu vergehen und sich aufzulösen, um Raum zu machen und Energie zu schenken für das Neue. Das Neue , das mehr und mehr wurde und sich immer weiter ausdehnte, das sich vernetzte und allmählich eine völlig neue Form bildete. Eine neue Form, die die Erinnerung an das Alte weiterhin beinhaltete und doch ganz anders war.

Und weil er nicht sehen konnte, was in dem verpuppten Wesen vor sich ging, musste er seinem Gefühl vertrauen. Denn äußerlich veränderte sich eine ganze Weile nichts und manchmal war er sich nicht sicher, ob dieses Wesen, seine Freundin, auf irgendeine Weise überhaupt noch da war. Dann wurde er ganz still, öffnete seine inneren Sinne, betrachtete den Kokon mit den Augen seines Herzens, fühlte und nahm sanft pulsierende Lebendigkeit darin wahr. Er atmete im Rhythmus der Natur und war da.

Geduld und Vertrauen – Neugier und Vorfreude. Verliebt ins Leben.

Er war da, so wie sie da war… geduldig und vertrauensvoll und bereit für das, was käme…

Als sich eines Tages der Kokon rührte. Der Regenbogen-Krieger spürte Aufregung, Neugier und Vorfreude in sich aufsteigen. Ganz nah ging er hin und sein Atem umfloss den Kokon mit seiner Wärme, an diesem noch kühlen Sonnenmorgen, und schien ihn sanft zu berühren und einzuladen, sich zu öffnen.

“Wie schön, dass Du da bist.” flüsterte sein Herz und in seinen Augen leuchtete die Liebe des Lebens zu sich selbst.

“Wie schön, dass Du da bist.” antwortete seine Freundin und öffnete von innen die Ummantelung, die ihr in den Zeiten des Wandels Halt, Geborgenheit und Schutz gegeben hatte.Beide wussten noch nicht, was sie erwartete und doch spürten sie, dass das Leben sie durchströmte und leitete. Die Freundin des Regenbogen-Kriegers verließ ganz achtsam und in ihrem Tempo die Verpuppung und ohne darüber nachdenken zu müssen entfaltete sie ihre prächtigen bunten Flügel und erhob sich. Zart und sanft und leicht flatterte sie ganz nah an das Gesicht des Regenbogen-Kriegers. Fast schienen sich ihre Flügel und seine Wimpern zu berühren. Ja, sie berührten einander. Und in den Augen des Regenbogen-Kriegers erkannte sich der wunderschöne leuchtende Schmetterling…

“Wie schön, dass Du da bist.” flüsterten sie einander zu und machten sich auf in den neuen Tag…

Hier findest Du die die Geschichte als medtitative Audio-Aufnahme mit Hintergrundmusik. Mache es Dir zum Anhören gerne bequem, nimm ein paar tiefe Atemzüge, schließe vielleicht sogar Deine Augen und tauche ein in die Begegnung des Regenbogenkriegers. Viel Freude dabei:-)

Wie schön, dass Du da bist.

Text und Bild: © Gabriele Frosch

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